Vom Aussterben bedroht:

Wir setzen den Tierschutz in Deutschland auf die Rote Liste

Tierschutz als staatliche Aufgabe, so heisst es oft und damit wird gerne geworben. So ist es aber leider nicht! Das sogenannte "Nutztier" - in Wirtschaft & Politik immer noch pures Foltergeschäft!
Die Deutschen halten sich gerne für die Tierschützer Nr.1 - gesellschaftlich wie auch politisch.
Man schimpft auf andere Staaten, zeigt gerne mit dem erhobenen Zeigefinger auf arme Länder, die ihre Tiere quälen. In mancher Hinsicht hat man damit recht- es gibt durchaus barbarische Gesetze, Traditionen und tierverachtende Vorgehensweisen in anderen Ländern, daran besteht kein Zweifel.

Doch sieht es in Deutschland denn soviel besser aus? Steht der deutsche Tierschutz wirklich "um Klassen" besser dar? Ein ehrlicher und schonungsloser Blick lässt einen daran nicht nur vorsichtig zweifeln.In den Reihen der Politik, der Wirtschaft und der Gesetzgebung ist Tierschutz eindeutig vom Aussterben bedroht. Es geht um Lobbyistentum, um wirtschaftlichen Gewinn, um Macht und niemals um die Tiere, die trotz eines fadenscheinigen Tierschutzgesetzes für jede erdenkliche Gewinnmaximierung herhalten müssen, gequält und massenhaft getötet werden.
Es gibt das Tierschutzgesetz, ja. Aber es wird nicht eingehalten. Es gibt Richtlinien und Verordnungen, aber sie werden nicht eingehalten. Denn wie wir alle wissen, gibt es nach wie vor Legebatterien, Massentierhaltung, Tiertransporte, Vivisektion, Pferderennen, Akkordschlachtung, Billigfleisch, Pelztierhaltung, Delphinarien, Zirkustiere etc.pp. – die Liste einträglicher Tierfolter ist lang.

Würde man sich nach dem Tierschutzgesetz richten müssen und es nicht für jeden wirtschaftlichen Zweig über Bord werfen können, dann wären derartige tägliche und industrialisierte Grausamkeiten überhaupt nicht durchführbar. Das sog. "Tierschutzgesetz" ist zu einem Tiernutzungsgesetz verkommen, welches schlicht in Ansätzen die Nutzungs- und Ausbeutungsmöglichkeiten unserer Mitgeschöpfe regelt. Die Vorgaben und Auslegungen sind nach Belieben dehnbar und hinsichtlich der angewandten Praxis ist der Inhalt des Tierschutzgesetzes oftmals reine Auslegungssache.
Die Deutschen leben in der Realität nicht weniger vom Leid der Tiere als andere Länder das auch tun. Der einzige Unterschied: Wir tun das nicht öffentlich auf der Strasse. Unsere Folteranlagen verstecken sich meist gekonnt hinter hohen Mauern und werbeträchtigen Sprüchen, die der wegschauenden Gesellschaft den Blick auf das Wesentliche versperren. Mit unglaublichem Erfolg im Übrigen.

Das sog. "Haustier" - Tierschutzarbeit in Deutschland vor dem Aus?
Wenn man den Blick schweifen lässt und vom grundsätzlich missachteten sog. „Nutztier“ (für das Wort allein sollte man bestraft werden) hin auf das von den tierlieben Deutschen verehrte „Haustier“ schaut, bleibt einem auch nicht mehr viel über als dass es sich kaum noch lohnt von staatlich verankertem und durchgeführten Tierschutz zu sprechen.
Der Staat hält sich gekonnt zurück. Tierheime leben nicht mehr von staatlichen Zuschüssen oder mit Hilfe der verantwortlichen Kommunen, sondern können sich nur noch mit ehrenamtlichen Helfern und privaten Spendern gerade so über Wasser halten.
Sie leisten die Arbeit der Kommunen gleich mit und erhalten zum Dank immer mehr kostspielige Auflagen, während ihnen auf der anderen Seite die Zuschüsse gekürzt oder gänzlich versagt werden.
Die staatliche Pflicht für Fundtiere oder beschlagnahmte Tiere aufzukommen wird nur in Ansätzen erfüllt und die Tierheime bleiben zunehmend auf den steigenden Kosten sitzen.

Laut den umfassenden Recherchen des deutschen Tierschutzbundes hat „eine breit angelegte Umfrage ergeben, dass die Kommunen durchschnittlich 25 Prozent der im Tierheim anfallenden Kosten übernehmen, aber knapp 80 Prozent der Leistungen abrufen.“
So heisst es in einem erschütternden Bericht des deutschen Tierschutzbundes:
„Die Tierheime sind dadurch in ihrer Existenz akut gefährdet: Die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise, aber auch der Sozialgesetzgebung schlagen sich im praktischen Tierschutz negativ nieder. Die Gesetzgebung belastet zusätzlich, so z.B. die Hundeverordnungen der Länder, durch die insbesondere große Hunde und bestimmte Rassen im Tierheim landen und nur schwer vermittelbar sind.
Auf der einen Seite gehen Spenden und Sponsoring weiter zurück, auf der anderen Seite werden immer mehr Tiere aus finanziellen Gründen abgegeben. Die Tiere bleiben immer länger in den Tierheimen und die Kosten steigen dadurch dramatisch. Auch dort, wo Behörden und Veterinärämter nicht konsequent durchgreifen, müssen die Tierheime einspringen.
Rücklagen konnten die Tierheime vor diesem Hintergrund nicht bilden - knapp 50 Prozent stehen vor der Insolvenz, wenn die Spenden weiter einbrechen.
Die Realität im sog. "Tierschutzland Deutschland" ist also auch hier mehr als beschämend. Und wäre der Überlebenskampf der Vereine, die tägliche Arbeit der ehrenamtlichen Helfer, Tierschützer wie auch Tierrechtler nicht schon hart genug, darf man sich hierzulande auch noch belächeln lassen, dass man sich für leidende Tiere einsetzt, während Menschen in anderen Gebieten dieser Erde hungern. Ein trauriges Bild, welches sich in unserer Politik und Gesellschaft widerspiegelt.

Abschliessend ein Blick auf die Lage der Schutzhöfe – alamierend!

Wenn man nebenbei einmal auf die Lage der Schutzhöfe für Tiere, in unserem Fall der Pferde zu sprechen kommt, sieht es kein Stück besser aus….im Gegenteil. Pferdeschutzhöfe leisten jeden Tag wichtige und dringend erforderliche Arbeit für Tiere, die aufgrund ihrer Art nicht in Tierheimen aufgenommen werden können. Das äusserst kostspielige und in Deutschland verehrte, aber nicht weniger gequälte Pferd kann im Falle einer Beschlagnahmung oder Rettung jeglicher Art nirgendwo untergebracht werden. Es gibt keine staatlichen Einrichtungen für gequälte Pferde. Gerne nimmt man dann Pferdeschutzhöfe wie den unseren dafür in Anspruch, doch an Unterstützung fehlt es.

Die Tiere kommen auf Pferdeschutzhöfen unter, tragen müssen sich solche Höfe jedoch rein durch private Spenden und ehrenamtliche Helfer!

Das Pferd gilt hierzulande zwar als edles Tier, doch wird es in den meisten Fällen eher gequält als das man ihm auch nur die geringste Wertschätzung entgegenbringt.
Das Pferd wird selten als das gesehen, was es ist - ein Tier mit arteigenen Bedürfnissen.
Vielmehr ist es Statussymbol, gewinnbringendes Wettgeschäft, Freizeit- oder Leistungssportgerät, Fleischlieferant, Zirkusclown, Kinderbespaßung, Zuchtgewinn etc.pp.
Den Pferden in Deutschland geht es gut? Nein, Pferde in Deutschland sind gewinnträchtige Ware und werden dementsprechend auch wie eine Geldanlage behandelt. Pferde, die dem gewünschten Leistungs- oder Zuchtdruck nicht entsprechen können oder auf jegliche Gewaltanwendung im Sport nicht mehr ansprechen….verschwinden unbemerkt von der Bildfläche. In Massen nachgezüchtetes Material ist ja ausreichend vorhanden.
Pferde zu unterhalten ist darüber hinaus verhältnismäßig teuer, sie sind Luxus und in Zeiten der Wirtschaftskrise wurde mehr als deutlich, wie diese Tiere plötzlich zu nicht mehr finanzierbaren Objekten wurden. Schaut man sich die jetzigen Verhältnisse, den Pferdeskandal in Irland an, kann ich nicht mehr behaupten, dass wir davon noch weit entfernt wären. Überfüllte und finanziell an den Grenzen pokernde Pferdeschutzhöfe können schon lange nicht mehr abfangen, was sich an Pferdeleid in Deutschland abspielt. Die Lage war vor der Wirtschaftskrise schon alarmierend, jetzt ist sie eine Katastrophe.

Spendeneinbrüche von teils über 70 Prozent bei den Schutzhöfen und immer mehr Tiere in Not, die aufgrund der wirtschaftlichen Lage kaum noch in gute Hände vermittelt werden können, zeigen ganz deutlich, das die definitiv notwendige Pferdeschutzarbeit der Höfe vor dem Kollaps steht!

"Wir können uns vor täglichen Anfragen, Abgabetieren und Hinweisen über verwahrloste und misshandelte Pferde kaum noch retten….haben aber auf den Höfen absolutes Aufnahmestop. Spendeneinbrüche in den letzten zwei Jahren von über 50 Prozent auf der einen Seite und immer mehr Nottiere auf der anderen Seite, das hält man als rein von Spenden getragener und ehrenamtlich arbeitender Verein nicht aus. Das Pferd wird in Deutschland derart verehrt…und derart missbraucht, dass es einem glatt die Sprache verschlägt. Es werden in der BRD jährlich unglaubliche Millionenbeträge mit der Ware Pferd verdient, dieser Wirtschaftszweig ist riesig. Doch für Pferde in Not hat kaum jemand etwas übrig. Es ist beschämend und erschreckend zugleich. Staatlich gesehen existieren wir nicht einmal wirklich und wir werden übersehen. Die staatliche Aufmerksamkeit beinhaltet allerhöchstens immer wieder neue nicht durchführbare Auflagen und Einschränkungen unserer Arbeit. Mittlerweile haben wir nicht nur den täglichen Existenzkampf, sondern auch die berechtigte Angst, dass uns die Tiere bald nachts am Hoftor angebunden werden. Und unser enger Kontakt zu anderen Pferdeschutzhöfen zeigt uns, dass das flächendeckend so ist. Für den Pferdeschutz in Deutschland wird es eng,“ so Nico Welp, Vorstandsmitglied der PFERDEHILFE SONNENHOF e.V..


„Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie die Tiere behandelt." (Mahatma Gandhi)


Text: Nico Welp, PFERDEHILFE PRO EQUINE e.V.

 

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