Rex, der „kleine Onkel“ (Senior)

Arabo-Haflinger
Wallach

ehemaliges Westernpferd, sollte zum Schlachter

 

Der kleine Draufgänger ist das typische Kind im Manne. Rex ist ein echter Strahlemann. Wenn man traurig ist, sollte man sich sofort in seine Nähe begeben und schon hat man sicherlich nach kurzer Zeit eine Menge Gründe zum Lachen. Er spielt gerne und bei jeder Gelegenheit, manchmal allerdings etwas zu stürmisch. In Rex steckt ein kleiner Entdecker und er freut sich sehr über Kopfarbeit und etwas Abwechslung. Er ist nicht mehr der Jüngste, aber ein Powerpaket-Opi Ende 20 mit jeder Menge Spaß an kleinen Aufgaben.

Schwerer Sattelzwang war ein durchaus auffälliges Problem als er kam. Er schnappt auch heute noch wütend Richtung Mensch, wenn man so tut als wolle man aufsteigen. Hier braucht er allerdings keine Angst mehr davor haben. Rexy ist Rentner – und darf sich voll und ganz aufs Spielen konzentrieren. Weiterhin hat Rex die etwas ungünstige Kombination aus ECS & EMS und benötigt als stoffwechselerkrankter Dauerpatient besondere Fütterung, Medikation und Haltung. Gerade bei nasskalten Temperaturen sorgt seine Arthrose für kleine Probleme, die wir aber mit manuellen Behandlungen und gezielter Phytotherapie gut im Griff halten können.

 

 

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Fräulein Monk, engl. Vollblut
Stute (Seniorin)
ehemaliges Renn- und Zuchtpferd

Die sensible Vollblutstute landete aus Belgien hier, war als Jungpferd wohl auf der Rennbahn Dortmund (Eintrag in den Papieren), später wurde sie als Zuchtstute eingesetzt.
Sie hatte leichte Startprobleme in ihrem neuen Umfeld, da sie sehr unsicher war….dazu kamen Zahnprobleme, Leberprobleme, ein leichter Herzfehler, Arthrose und Hufprobleme.
Ihre diversen Erkrankungen, zu denen auch hochgradige Allergien ebenso zählen wie ein grundlegendes Stoffwechselproblem, haben wir nun gut im Griff.
Wenn sie sich einer unangenehmen Situation entziehen möchte, neigt sie zum unkontrollierten Steigen – ein Verhalten, welches in ihrer Vergangenheit wohl gut funktioniert hat um sich Unangenehmes vom Leib zu halten.
Frl. Monk ausreichend zu beschreiben ist nicht wirklich möglich, es sei denn man kennt die TV-Serie „Monk“, nach der wir sie liebevoll umbenannt haben. Sie ist wunderbar…typisch engl. Vollblut und vielleicht sogar mit der engl. Queen verwandt?

Diese eher elitär anmutende Stute liebt es ihr menschliches Bodenpersonal durch die Gegend zu zitieren und hat dieses auch bestens im Griff. Eifersucht ist eine Eigenart, die man hinnehmen muss. Royale Diven teilen ihr Personal halt nicht gerne, daher ist Nico ihr Eigentum, sobald sie auf der Bildfläche erscheint.

 

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Helen Claire, Bretonenstute

Stute,

Ehemaliges Schlachtpferd

 

Helens junges Leben sollte via Sammeltransport im Ausland in der Schlachtung enden...mit lieben Menschen wurde ihr ermöglicht worauf sie ein Recht hat - ein Leben als Pferd, mit allem was ein Pferd braucht. Helen hat nun hier seit Ende Dezember 2012 ein Zuhause. Sie ist nicht weiter nur ein Stück Fleisch für eine Händler-Gruppe. Sie ist nicht weiter "etwas", sondern endlich JEMAND.
Anfangs war sie einfach nur ein großes, schweres, aber schwer traumatisiertes, erschöpftes Pferd. Eine große Erscheinung von Außen, ein zartes Wesen im Inneren, zerbrechlich wie dünnes Glas…scheu & schutzsuchend. Das ist Helen.

Helen hat so viel Gutes in sich, daß sie den Planeten damit überschwemmen könnte…wie all die anderen sanften Seelen der Tiere. Bis zu ihrer Ankunft wurde sie auf ihr mögliches Schlachtgewicht reduziert, auf verwertbare Fasern ihres Körpers. Das ist Geschichte.
Sie genießt mittlerweile jede menschliche Aufmerksamkeit ohne Angst und kann sogar recht aufdringlich werden wenn sie gekrault werden mag. Ein bleibender Schaden liegt nur noch an den Gleichbeinen des linken Vorderbeins vor, welche irreparabel geschädigt sind und bei Laufen auf hartem Boden für Probleme sorgen. Sie läuft hier dementsprechend nur noch auf weichem Boden, kommt mit ihrer Behinderung sehr gut zurecht und wird regelmäßig behandelt.

 

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Miss Mira Marple, Pony:

Stute,

Konnte nicht mehr gehalten werden,

sollte eingeschläfert werden

 

 „Ich bin Leben…inmitten von Leben das leben will“ – das sagte wohl die kleine Mira dem Tierarzt, welcher sie aus sehr schlechten Verhältnissen holte und sie eigentlich einschläfern sollte. Er schaute in ihre Augen und konnte eine Einschläferung einfach nicht mit sich, seinem Beruf und der damit verbundenen Berufung vereinbaren.

 
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Ein Anruf bei der Pferdehilfe war das Ergebnis. „Sie sieht schlimm aus, sie wird nie wieder Heu kauen können und braucht dementsprechend eine besondere Ernährung, aber: sie hat hart gekämpft und sie will leben. So etwas kann ich nicht töten.“

Hm…wir haben uns die Kleine und ihre Versehrungen angeschaut. Unser Tierarzt sagte, es sei ein Wunder dass sie das bis jetzt überlebt hat, während wir die katastrophalen Röntgenbilder der Zähne zu sehen bekamen. Mira Marple will…und wir wollten zusammen mit dem Tierarzt dafür sorgen, dass sie diese Chance in wohl behüteter Umgebung auch bekommt. Wir sagten ihm also zu, dass sie hier in die Reha darf. Die Vorgeschichte mag traurig und entbehrungsreich sein, aber oft verbirgt sich hinter dem enormen Leidensweg eines Tieres auch menschliches Leid. Wir werden es also unterlassen hier auf Menschen zu schimpfen die dieses Pony in einen derartigen Zustand gebracht haben und seine (ganz sicher enormen) Schmerzen wohl nicht mehr wahrnehmen konnten….ebenso wenig wie den ewigen Hunger, der das Pony in diesen traurig skelletierten Zustand trieb. Unter ihrem ungepflegten, schuppigen Fell bestand sie nur noch aus Haut & Knochen…und einem großen Ponyherz, welches beschlossen hat zu leben.
Wegen ihrer großen, lebensbejahenden Augen haben wir sie Miss Marple getauft. Mit diesen Augen hat sie einem Tierarzt gesagt, dass sie noch da ist. Wir möchten ganz besonders einem Tierarzt danken, welcher mit sehr viel Herz und Mühe ihr Leben gerettet hat.

Mira ist seit Februar da und wir bearbeiten eine Baustelle nach der anderen. Wie man auf den Bildern bereits ersehen kann erholt sie sich soweit gut. Die Kleine hat EQS (Equines Cushing Syndrom) und wird ihr Leben lang aufgrund ihrer Zahnsituation kein Heu mehr kauen können – Heucobs & Seniorenfutter begleiten ihren Alltag. Sie ist wunderbar aufgeweckt, geradezu witzig, unglaublich mitteilsam, erobert noch einmal die ganze Welt Sie besteht wieder aus Lebensfreude, die sie auch deutlich zeigt.  

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Jamal el Ameer, Vollblutaraber

Wallach,

Nicht reitbar, durch mehrere Hände gegangen

Jamals Geschichte begann in Italien, wo er gezogen wurde und aufgrund seiner Elite-Abstammung sicher viel hätte wert sein können…wenn er gesund wäre.
Jamal war wohl eine sog. Montagsproduktion, was dazu führte, dass er leider schon früh hin & hergereicht wurde. Als günstiger Einkauf mit nicht behandelter Huffehlstellung landete er unreitbar in der BRD bei einer jungen Frau, die sich das Pferd allerdings nicht leisten konnte und einem Jungspund wie ihm auch nicht gerecht werden konnte. Jamal kam dann nach einem Hilferuf etwas verwahrlost bei uns an, die Fehlstellungen hatten bereits zu Befunden in den Gelenken der Vorhand geführt und eine spinale Ataxie Grad 1 wurde ebenfalls vermutet. Nach einem halben Jahr Aufbau, wozu nicht nur eine gründliche Diagnostik & Behandlung, sondern auch eine wohl erstmalige Grunderziehung gehörte, hat er sich sehr gut entwickelt.

Mittlerweile gut führig und weniger aufbrausend gehört er nun zu den Meistern des jugendlichen Humors. Er ist vollkommen aufgetaut, hat an Sicherheit gewonnen und ist trotz seiner körperlichen Beeinträchtigung ein waches, wunderbares Jungpferd. Er lernt schnell und gut, hat Spaß an freier Bodenarbeit, die ihm als ausgleichende Beschäftigung und Förderung sehr gut tut.

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Jamal hat eine Vollpatenschaft, für ihn suchen wir dementsprechend keine Paten.


Maria B. , engl. Vollblut

Stute,

Ehemaliges Rennpferd

 

Maria wurde in Irland gezogen, an einen Rennstall in der BRD abgegeben & wurde im Alter von zwei Jahren das erste Mal auf einer deutschen Rennbahn vorgestellt.

Insgesamt lief sie in drei Ländern (u.a. Italien) und bis zum Alter von 8 Jahren.

Die Starts und Rennbahndaten lassen sich bis auf einige Lücken bestens im Netz zurückverfolgen.
Maria galt in den Rennställen als „schwierig“ und schlecht „händelbar“, ab einem gewissen Zeitpunkt nebenbei als „tot im Maul“. Bei Ansicht der Zähne (Zahnarztbesuch) konnten eine Reihe von Narben in der Maulhöhle besichtigt werden. Ebenso hat sie diverse Narben an den Röhrbeinen…wo die herkommen, weiß keiner genau. Sehen aber nicht nach Weideverletzungen aus, da sie recht auf der exakt gleichen Höhe liegen und eine gewisse Form haben die wir kennen. Wir haben jede Menge nachweisliche Halterwechsel in den ersten Lebensjahren schriftlich vorliegen.

Mit neun Jahren war wohl ihr explosives Verhalten mit ein Grund für den erneuten Verkauf. Sie war auch nicht mehr besonders erfolgreich auf der Bahn. Nicht mehr nutzbar. Ihre neuen Halter waren liebevoll und sorgsam, haben aber jegliche reiterlichen Versuche schnell aufgegeben, da Maria zu gefährlich (für sich und den Menschen) darauf reagiert. Der Abgabegrund an uns war nun zum einen ihr Verhalten an der Hand, welches bei den versorgenden Familienmitgliedern zu gefährlichen Situationen führte. Ebenso problematisch blieb die Herdensituation.

Sie war aufgrund ihrer Geschichte auch im Umgang mit ihren Artgenossen nicht gänzlich easy. Sie hat vieles nicht gelernt…wann auch. Die Abgabe an uns erfolgte nach reiflicher Überlegung ausschließlich zum Wohl von Pferd & Mensch.
 
Sie wird sicher kein absolutes easy going- Pferd, aber ist ein ganz tolles, zugewandtes Pferd. Der Begriff „Ruhe“ ist noch so ne Sache, nicht erstaunlich. Wir sind bereits sehr stolz auf sie wie sie hier lernt & annimmt. Nicht selbstverständlich bei diesem Pferd und seiner Geschichte. Wenn wir persönliche Berichte & Erzählungen betrachten, nachweisliche Geschichte & Daten anschauen und den Rahmen ihres bisherigen Lebens soweit überblicken wie es möglich ist…lässt uns das wieder einmal schockiert zurück.

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Die Bienchen (Seniorinnen)

Zwei alte Araberstuten- Omis

Aus einer Zucht beschlagnahmt

Ihr Start war wirklich für alle Beteiligten schwer...für die zwei alten versehrten (Ara-)Bienchen wie auch für das menschliche Bodenpersonal hier auf dem kleinen Reha-Hof. Die Reha dieser beiden Pflegeschützlinge lief nicht ohne Komplikationen oder durchwachte Nächte. Nichts bei ihnen und mit ihnen war einfach...Nichts für sie war einfach. Manchmal haarscharf...

Wir sind sehr froh, daß sich die zwei alten Bienchen-Tanten so gut gemacht haben, Seele und Körper sich entgegen mancher Erwartung doch noch besser erholten als gedacht. Sie sind nun hier "at home" und werden als Pfleglinge bleiben. Zwei Bienchen, die unsere Herzen eroberten und auch nach einiger Zeit einen Sponsor fanden, der ihr (finanziell aufwändiges) Rentnerleben finanziert (DANKE). Wir freuen uns sehr darüber, denn alleine wäre es uns nicht möglich gewesen den Bienchen hier eine endgültige Heimat zu geben.
Aufgrund ihrer notwendigen Zahn-OPs sind sie keine Heu- sondern lebenslange Heucobsvertilger, aber der Aufwand lohnt sich.
Die zwei strotzen trotz ihres hohen Alters mittlerweile vor Energie, Lebenslust und Kraft... vor Dickschädel, Anmut und Stolz...und manchmal auch vor ganz seltsamen Quatschideen.

Bedanken möchte ich mich noch ganz herzlich bei dem Therapeuten-Team, welches nach Ankunft und durchs erste Jahr hindurch wirklich immer wieder im Einsatz war um den beiden Ladies das Leben wieder lebenswert zu machen. Die beiden Ladies (Mutter & Tochter) haben mentale Störungen/ Verhaltensauffälligkeiten überbehalten, die sie wohl nie ablegen werden, aber denen wir mittlerweile recht gelassen begegnen können und durch intensive Beschäftigung mit ihnen gut managen können. Anfängertauglich werden sie auch trotz ihrer alten Jahre nie werden. Nebst kaputtem Zahnstand liegen bei ihnen körperlich händelbare Kleinigkeiten wie Allergien, Herzgeräusche und leichte Arthrosen vor…nichts Wildes. Ihre psychischen Versehrungen waren wesentlich haarsträubender als ihr körperlicher Zustand in dem sie uns erreichten.


Miro / Reha-Pferd  (Senior)

Wallach, Hannoveraner

Ehemaliges Reitpferd

 

Miro erreichte uns zusammen mit seiner alten Partnerstute, welche leider nach 9 Monaten Reha von uns von ihren Leiden erlöst werden musste. Ihre schweren Versehrungen mit denen sie hier „eingeliefert“ wurde, waren schlicht zu schwer um als Pferd ausreichende Lebensqualität zu haben. Miro jedoch hat sich gut erholt. Sein Untergewicht war schneller Geschichte als wir es in Anbetracht seiner Magengeschwüre und schlechten Blutwerte erwartet hatten. Sein Rückenleiden haben wir dank physiotherapeutischer Behandlung gut im Griff.

Er ist in erster Linie ein Kopfpatient, also ein mental versehrtes Pferd, welches immer besondere Anlehnung und volle Aufmerksamkeit benötigt um ruhig und ausreichend souverän mit einem Menschen umzugehen, Vertrauen zu entwickeln.
Der alternde Wallach wird nicht viel Gutes in seinem Leben erlebt haben, weder reiterlich noch im Umgang am Boden. Er webt sobald er nervös wird (und das dann sogar draußen auf der Wiese) und neigt zu nervösen Magen-Darm-Problemen. Sein Nervenkostüm ist nicht das Beste.
Weiterhin hat er nebst einer altersbedingten, leichten Arthrose enorme Rückenschädigungen, die zu 100% durch schädliches, falsches oder zu hartes Reiten entstanden. Er wird immer wieder begleitend – gerade im kaltnassen Winter – manuelle Behandlungen benötigen. Miro ist jedoch sehr bewegungsfreudig und lässt heute sehr gerne den Clown aus sich heraus. Er traut sich endlich zu einfach mal Pferd zu sein und spielt sehr gerne mit Artgenossen wie auch mit seinem menschlichen Personal. Ein ganz aufgeweckter, lernfreudiger und liebevoller Kumpel…wenn man ihn sein lässt wie er ist und ihn nicht überfordert.
Miro bleibt als Rehapatient bei und darf hier in Ruhe seine Rente genießen.

 


Winja / Reha-Pferd

Stute, Westfale

Ehemaliges Turnierpferd (Dressur)

Winja ist ein recht typischer „Sportpferdefall“. Zu früh zu schwer gearbeitet, falsch und zu hart gearbeitet, kennt die noch nicht alte Stute den Turnierzirkus mit all seinen leider zuhauf vertretenen Unarten, Hilfsmitteln, Trainingsvergewaltigungen und dem Druck der Hochleistung auf Knopfdruck. Und genau so kann man ihre mentalen und körperlichen Versehrungen auch zusammenfassen.
Winja wurde bis in die Höchstleistung ausgebildet und hat ihre Narben davongetragen.
Kissing Spines, Halswirbelarthrose und Befunde im Fesselgelenksbereich sind ihre größten Probleme. Mental erhielten wir ein im Umgang raues und abgestumpftes Pferd, welches gleichzeitig Angst äußert und trotzdem voraus geht. Ihr Umgang mit dem Menschen ist hilflos wie auch roh und stumpf, da sie es gewohnt ist hart angefasst zu werden und keinerlei sanfte Berührung, Ansprache oder gar Kommunikation über Körpersprache durch den Menschen wahrnahm. Sie erwartet einfach nicht, daß ein Mensch nicht zerrt, zieht, schlägt, rupft, poltert und groben Umgang pflegt. Sie erwartet ebenso wenig daß man ihre Signale liest oder ihr zuhört, sie ihre Meinung äußern kann ohne direkt in die Vollen zu gehen. Der Mensch an sich bietet ihr keinerlei Gefühl von Sicherheit, sie erwartet nichts Gutes.
Umso schöner ist es nun ihre Entwicklung zu beobachten. Winja ist zwar noch häufig gewohnt gefangen in ihren Verhaltensweisen, bemerkt aber immer öfter daß sich ihr Gegenüber „Mensch“ verändert hat. Sie lernt zu entspannen, zu horchen, zu schauen und sich selbst wieder zu äußern ohne dafür bestraft zu werden. Sie ist eine wunderbare, kommunikationsfreudige Persönlichkeit, etwas „stumpf“ gestrickt würde der Betrachter von außen wahrscheinlich sagen, letztlich ist dies aber nur ein Zeichen für den jahrelangen falschen Umgang mit ihr. Sie wird sich den feinen Signalen und der friedlichen Kommunikation Stück für Stück weiter öffnen. Derzeit kuriert sie allerdings erst einmal ihre körperlichen Leiden insofern aus, daß sie hier als Frührentnerin schmerzfrei und gestärkt unter Artgenossen ihre Tage verbringen kann und mit ihren chronischen Problemen besser zu recht kommt. Winja wird immer bewegungsfreudiger und ist physiotherapeutisch ein absolut motivierter Vorzeigepatient.
Wir freuen uns sehr daß wir sie noch lange begleiten dürfen auf dem Weg zurück…zum „einfach Pferd sein“, nie wieder Sportgerät.

 


Frau Fee (Seniorin)

Stute, Pony-Mix

Ehemaliges Reitpony

Frau Fee kam als schmächtiger, verwahrloster Hungerhaken hier an. Die alte kleine Schimmelstute lebte vor Einzug auf dem Rehahof leider über viele Jahre in Einzelhaltung und wurde von den letzten Haltern aus einem Kuhstall „gerettet“, indem sie alleine ihr Dasein fristete. Die Eigentümer waren ihrer überdrüssig geworden.
Frau Fees Versehrungen waren jedoch rein körperlicher Natur und bis auf die chronifizierten Schäden schnell behoben. Zahnarzt, Hufpflege, Entwurmung und natürlich ein pferdegerechtes Auffüttern standen als Erstes auf dem Pogramm. Die resolute Seniorin kann leider kaum noch etwas sehen, ist auf dem rechten Auge komplett blind und nimmt auf dem linken nur noch Schatten oder Bewegung war. Sie hat sich trotzdem erstaunlich schnell hier eingelebt und genießt nach anfänglicher Aufregung und extrem auffälliger Rosse nun ganz besonders den Kontakt zu ihren Artgenossen, den Schutz in der heimischen Gruppe und eine regelmäßige Fütterung ohne Hungerphasen. Ihr fehlendes Augenlicht kompensiert sie ohne Probleme. Frau Fee merkt sich einfach genau wo sie lang laufen kann und nimmt auch gerne mal die Wege im schwungvollen Galopp. Sie hört mittlerweile sehr gut auf Stimme, da man mit ihr nicht körpersprachlich arbeiten kann.
Ansonsten: Natürlich zwickt hier und da eine altersgemäße Arthrose, aber im Großen und Ganzen ist sie frisch und rüstig unterwegs.
Sie ist eine wirklich tolle kleine Dame, die es versteht ihr menschliches Bodenpersonal gut im Griff zu halten und ist einfach nur ein vollkommen unkompliziertes und freundliches Pony.

 

 

 

 


Ruja 

Noriker- Stute

Babyalarm

Ruja war der bisher jüngste Notfall, den wir aufgenommen haben. Die kleine Maus wurde im Alter von nicht einmal ganz fünf Monaten zum Verkauf angeboten, sollte letztlich auf die Versteigerung nach Maishofen gehen. In Pferdekreisen weiß man was den kleinen Zwergen blüht die dort keinen pferdeliebenden Käufer finden. Die Transporte in die Schlachthöllen nach Italien sind nie voll genug. Sie rollen und rollen…unentwegt.
So hätte auch Rujas Leben enden können obwohl es noch nicht einmal angefangen hatte. Ruja kam über Umwege und Zufälle zu uns und wir erhielten einen verwurmten, kleinen Zwerg, welcher in dem Alter eigentlich noch bei seiner Mutter hätte trinken und laufen müssen. Ihre Rettung war ein Gemeinschaftsprojekt mit zwei anderen Vereinen.
Da wir aufgrund eines etwas komplizierten Tierschutzfalles (Rettung einer trächtigen, verwahrlosten Friesenstute) ein Friesenfohlen hier auf dem Rehahof beheimaten, haben wir unser JA zu Rujas Aufnahme gegeben. Nun genießen die beiden jungen Damen – liebevoll auch black devils  genannt - hier ihre Kindheit in vollen Zügen und halten sowohl das menschliche Bodenpersonal wie auch die erwachsenen Pferdetanten & Pferdeonkel bestens auf Trab. Wir freuen uns sehr daß die zwei sich so gut entwickeln und eine unbeschwerte Jugend genießen. Mehr sollen sie die nächsten Jahre auch nicht tun. 
Ebenso glücklich sind wir darüber daß wir den beiden Jungspunden eine Aufzucht bieten können, die wir auch vertreten können und die absolut sozial-natürlich ist. Sie wachsen sowohl mit gleichaltriger Spielgefährtin wie auch mit erfahrenen Pferden verschiedener Altersklassen auf. Die leider noch sehr verbreitete Aufzucht mit ausschließlich gleichaltrigen Spielgefährten ist ebenso wenig artgerecht oder sinnvoll wie eine Aufzucht ohne gleichaltrige Spielgefährten. Wir hoffen, daß sich auch in diesem Bereich der behüteten Pferdekindheit weiter etwas tut und zum Besseren entwickelt.
Ruja ist jedenfalls ein ordentlich kräftiger Wonneproppen geworden und wir wünschen ihr weiterhin alles Glück der Pferdewelt. Möge der Himmel auf sie achten und der Boden unter ihrem fröhlichen Spiel ordentlich beben. Sie ist ein echtes Traumbaby, wenn auch typisch Kalti. Wir üben das „Filigrane“ innerhalb der Kommunikation mit Menschen dann noch mal.

 

 


Mr. Boston Mac Jackson (Senior)

Painthorse- Wallach

Der Weg ist manchmal lang... Boston kam als Intensivpatient zu uns wie viele andere Notpferde. Nach einer Beschlagnahmung kamen Pferde zu uns in die Reha deren Zustand uns wie so oft erschreckte. Besonders schwer getroffen hatte es Boston, einen alten Wallach, dessen Schmerz & Leid uns eindringlich beschäftigte. Er kam zu uns in einem erbärmlichen Zustand. Sein Leidensweg war lang und gnadenlos...jahrelange Schmerzen hatten ihn gezeichnet. Schwer asthmatisch, die Hufe ungepflegt und verletzt, das ganze Pferd abgemagert und fiebrig krank, schmerzhaft von oben bis unten. Nebst dessen hat er Arthrose, die ihn allerdings noch nicht erheblich einschränkt. Ganz besonders schwerwiegend war bei ihm jedoch die fortgeschrittene Zahnerkrankung EORTH, die ihm ein schmerzfreies Essen unmöglich machte. Er war ein Häufchen Elend und wehrte sich erheblich gegen jede Berührung am schon gesamt schmerzenden Kopf. Um ihn überhaupt rehabilitieren zu können, mussten wir ihn erst einmal stabilisieren. Nach einer beginnenden Reha durch Kräftigung des Gesamtorganismus incl begleitender Schmerztherapie wurde geröntgt und der Befund überraschte keinen der Beteiligten wirklich. Alle Schneidezähne müssen entnommen werden. Wie hatte dieses zähe Pferd bloß so lange all diese Schmerzen ertragen?! Boston zog also für ein paar Tage zu unserem wunderbaren, schwer bemühten, liebevollen Zahnexperten Niels Kjaergaard in die Pferdeklinik und erhielt die rettende OP. Nach wenigen Tagen Wundheilungs-Stress zeigte uns der alte Wallach wie enorm erleichtert er war...auch wenn er nun keinen einzigen Schneidezahn mehr hat. Er war befreit von unsäglichen Schmerzen. Seine zweite akut große Baustelle ist sein asthmatisches Problem. Wir gingen dies nun weiter gezielt auf mehreren therapeutischen Wegen an...mit Erfolg. Er hat es so sehr verdient endlich wieder in einem behüteten Alltag Lebensfreude zu spüren, eine geeignete Plattform zur Rente zu haben. Aus diesem Grund und weil er immer ein Patient bleiben wird, haben wir uns entschlossen ihn nicht in die Vermittlung zu geben. Boston ist nun ein Teil der Pferdehilfe-Familie und wenn seine Lunge es erlaubt, wird er seine restliche Lebenszeit in vollen Zügen bei uns genießen können. Und natürlich bekam er nun nebst besonderer Haltung & Fütterung einen wahren Mercedes unter den Inhaliergeräten sowie regelmäßige Laser-Akupunktur. Trotz seiner Probleme ist aus dem elend wirkenden Schmerzgesicht ein Pferd zum Vorschein gekommen, welches gerne spielt und tobt...welches gerne Leckereien isst und auch einfordert...welches nichts lieber hat als gekrault und beachtet zu werden...ein Pferd, welches sich nach all der Last und Angst neben einen in die Sonne legt und schläft. Welcome Mr Boston im neuen Leben...

 

 

 

 

 

 

 

 

Text: Nico Welp
Bilder: Copyright by Nicole Poschkamp & PFERDEHILFE PRO EQUINE e.V.